„Wir schaffen Zwischenräume“ – Unter diesem Motto veranstalteten wir, der gemeinnützige Verein interKArt e.V., unser erstes „Zwischenräume-Festival“ vom 29.9. bis 1.10.2017 in der FETTSCHMELZE Karlsruhe. Nach drei Tagen (und zwei Nächten) mit verschiedensten Veranstaltungen, tollem Wetter, überwältigender Publikumsresonanz und befruchtendem Austausch schauen wir stolz auf ein Festival zurück, in dem wir unsere Vereinsidee verwirklicht sehen.

Bereits am Donnerstag haben wir damit begonnen den Außenbereich der FETTSCHMELZE vorzubereiten. Neben der großen Bühne, einer Leseinsel, verschiedenen Infoständen, Tischtennisplatte und Tischkicker lud das liebevoll dekorierte, in Wimpel, Fahnen und Lichter gekleidete Gelände zum Verweilen ein.

Am Freitag um 20 Uhr ging es dann endlich los! Das Eröffnungskonzert gestalteten die beiden Ensembles „Musaik – Weltmusik aus Bruchsal“ und „Contrast Orange“ aus Konstanz. Die zwölf Musikerinnen und Musiker von Musaik zeigten auf musikalische Weise, welche produktiven und bereichernden Potentiale der Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunftskulturen haben kann. Ebenso beeindruckend wie das Bühnenbild mit den verschiedensten Instrumenten war das bunte Programm aus Klezmermusik, arabischen, türkischen und albanischen Liedern. Die an diesem lauen Spätsommerabend zahlreich erschienenen Gäste honorierten einen tollen Auftritt mit begeistertem Applaus. Im Anschluss daran luden Contrast Orange zum Tanz – ein Angebot, das bereits mit den ersten Tönen der Band euphorisch angenommen wurde. In einer mitreißenden Mischung aus funkigen Rhythmen, melodiösen Bläserpassagen und witzigen Texten spielten die fünf Instrumentalisten und ihre Frontsängerin bis in die Nacht. Nach über zwei Stunden „Balkan Funk“ vom Feinsten und mehreren Zugaben wurden Contrast Orange unter Jubel des Publikums von der Bühne entlassen.

Am Samstagvormittag trafen sich 30 motivierte Kicker zum ersten interaktiven Programmpunkt des Wochenendes. Ebenfalls auf dem Gelände des Alten Schlachthofes wurde ein Streetcoccer-Court des badischen Fußballverbandesaufgebaut und das „interKick“-Format durchgeführt. In fünf Teams von je sechs Personen plus jeweils einem Supporter pro Team spielten sie um den Turniersieg. Dabei zeigte sich der integrative Charakter des Sports, speziell des Fußballs: Die Teilnehmer meldeten sich als Einzelpersonen an und wurden in ihre Teams gelost. Mit dabei waren von Studenten über unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auch junge Leute, die neu in Karlsruhe sind und insgesamt „Jungs“ zwischen 15 und Ende 30, die Lust aufs Kicken hatten. Gewonnen und im Rahmen der Siegerehrung gebührend gefeiert wurde das Team „Club kassis“ – herzlichen Glückwunsch.

Ein erster inhaltlicher Austausch und die Möglichkeit zum Mitdiskutieren gab es bei der Podiumsdiskussion „interTalk“. Zum Thema „Flucht – Flüchtlingsheim – Ausbildung“ versammelten sich die Geschäftsführerin des Kinderhilfswerks „Uneson“ Jasmin Inci Sahin, der Realschullehrer Jochen Pietschmann, der Hochschullehrer Dr. Nasser Jazdi und Schüler Jehad Othman auf dem Podium. Sie alle erzählten von Erfahrungen mit dem Thema Migration und zeigten praxisnahe Lösungen für den Umgang im Alltag auf. Befruchtend war dabei insbesondere die Einbeziehung des Publikums, das wichtige Gesprächsimpulse und eigene Perspektiven und Erfahrungen beisteuerte. Bei bestem Wetter und leckerer Suppe (bereitgestellt von unseren Freunden des „Soup de Jour e.V.“) wurde in informellem Rahmen weit über das offizielle Ende von interTalk hinaus weiterdiskutiert.

Am Nachmittag hatten die Besucherinnen und Besucher des Festivals die Möglichkeit, an verschiedenen Workshops teilzunehmen. In den Räumen der benachbarten Musikhochschule konnte getanzt, getrommelt, gesungen und geschauspielert werden. Während Roman Hernitscheck in seiner „Singstunde“ Volkslieder aus verschiedenen Kulturen und in verschiedenen Sprachen einstudierte, gewährte die Theaterpädagogin Daniela Kastner Einblicke in die Kunst des Schauspiels. Außerdem erläuterte Timo Gerstner praktisch und begeisternd die Grundlagen des Cajonspiels und Johannes Gräter führte in seinem Salsa-Tanzkurs in den „New York Style“ ein. Die große Nachfrage und die ausschließlich positiven Rückmeldungen haben uns in unserer Idee bestärkt und sehr gefreut. Wir geben dieses Lob an die tollen Workshop-Leiterinnen und -Leiter weiter, die unser Festival auf besondere Weise bereichert haben.

Ein weiteres Highlight war am Abend die Uraufführung des Theaterstückes „[K]eine Ahnung von Heimat.“ unter der Leitung von Daniela Kastner. Hierfür der Innenbereich der FETTSCHMELZE genutzt und als große interaktive Theaterbühne umfunktioniert. Vor „ausverkauftem“ Haus wurde die Frage nach der Verortung von Heimat dramaturgisch umgesetzt. Absolut überzeugend zeigte die Theatergruppe, die ihr Stück im vergangenen halben Jahr gemeinsam erarbeitet hat, verschiedene Facetten des Begriffes Heimat auf. Dass selbst die Musik live dargeboten wurde – Gastmusikerin Ann-Katrin Klebsch und die Ensemblemitglieder selbst musizierten – verstärkte das gelungene Gesamtbild der Darbietung.

Im Anschluss feierten und tanzten wir zusammen mit den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern ab 22 Uhr bis tief in die Nacht hinein. Die beiden renommierten und international gefragten DJs Edu Buscholl und Shahrokh Dini brachten die begeisterten „Feierwütigen“ in Bewegung. Unter dem Eindruck von elektronischen Beats und selbstgemachtem Mexikaner entstand eine tolle Atmosphäre, die Begegnungen zwischen Menschen ermöglichte.

Der Begegnungs- und Austauschgedanke stand auch beim interreligiösen Gespräch am frühen Sonntagnachmittag im Zentrum der Veranstaltung. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener religiöser Anschauungen tauschten sich hinsichtlich des Toleranzbegriffs und dessen Stellenwert in den jeweiligen Religionen aus. Auf dem Podium waren hierfür neben dem Moderator Georg Kalmbach die Pfarrerin der Lutherkirche Karlsruhe Ulrike Krumm, Rabbiner Mordechai Mendelson von der jüdischen Chabat Lubawitsch Gemeinde Karlsruhe, Rüstü Aslandur als Vorsitzender des Deutschsprachigen Muslimkreises Karlsruhe (DMK) und Ceren Akbaba als Vorstandsvorsitzende der Alevitischen Gemeinde Karlsruhe versammelt. Einigkeit herrschte darin, dass Toleranz als gegenseitige Anerkennung von Unterschieden ein Grundpfeiler für die Verständigung zwischen Religionen ist. Eine vielversprechende Perspektive für gemeinsamen und friedlichen Austausch wurde mit dem Konzept des „Gartens der Religionen“ vorgestellt. Gegenseitige Einladungen sowohl auf dem Podium als auch ans Publikum rundeten diese gelungene Veranstaltung ab.
Zum Abschluss luden wir bei Kaffee und Kuchen ein, noch auf dem Festivalgelände zu verweilen, weiter Kontakte zu knüpfen und sich über unsere Vereinsarbeit zu informieren. Mit den beginnenden Abbauarbeiten am Abend endete schließlich ein erfüllendes und ermutigendes erstes Zwischenräume-Festival.

Wir bedanken uns bei den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, bei den Referentinnen und Referenten, bei den Workshopleiterinnen und -leitern und bei unserem tollen Publikum – ohne welches das alles nicht möglich gewesen wäre. Außerdem gilt unser Dank dem Kulturbüro der Stadt Karlsruhe, die uns von Anfang an bei unserer Vereinsarbeit unterstützen, der FETTSCHMELZE Karlsruhe für ihr Vertrauen und die gute Zusammenarbeit, dem befreundeten Verein Soup de Jour e.V. für die kulinarische Unterstützung, dem COLA TAXI OKAY für gemeinsame Veranstaltungen und die Bereicherung des Festivals, den zahlreichen Verlagen, die Bücher und Graphic Novels zum Thema „Migration“ bereitgestellt haben und damit einen wertvollen Beitrag für unsere Leseinsel geleistet haben und der BBBank Karlsruhe, die den interKick durch ihre finanzielle Unterstützung erst ermöglicht haben. Tausend Dank an alle!

Wir gehen bestärkt und voller Tatendrang in die Zukunft und freuen uns, wenn unsere Angebote weiterhin zahlreich angenommen werden und damit euren Teil für ein verständiges Miteinander unserer vielfältigen Gesellschaft beitragt. Die nächste interKArt e.V.-Veranstaltung findet am 12. Januar 2018 im Kulturzentrum TOLLHAUS Karlsruhe mit unserem Konzertformat „ZwischenKlänge II“ statt.

Bis dahin,
Euer interKArt-Team